Vogelkamp Neugraben, Hamburg

NEUBAU VON DREI MEHRFAMILIENHÄUSERN

Perspektive Südost

PROJEKTKENNWERTE

WETTBEWERB, 1. PLATZ
STATUSIn Planung
AUSLOBERIBA Hamburg
BAUHERRNEMO Hausbau GmbH
BAUJAHR2022
EINHEITEN58 WE
WOHNFLÄCHE5.500 m²
ENERGIEEFFIZIENZKfW40+
LEISTUNGENWettbewerb
FREIRAUMPLANUNGEvert Landschaftsarchitekten
PERSPEKTIVENSQR Studio

STÄDTEBAULICHE KONZEPTION

Unter weitgehender Wahrung der städtebaulichen Vorplanung wurde das Projekt Mehrfamilienhäuser im Vogelkamp Neugraben ein ganzheitlich architektonischer, landschaftsplanerischer und energieeffizienter Ansatz entworfen, der städtebaulich und aus Sicht der künftigen Bewohner:innen eine langfristig attraktive und nachhaltige Lösung bietet.

Die drei geplanten Baukörper markieren den baulichen Abschluss des Baugebiets Vogelkamp zur weitläufigen Feldlandschaft im Norden. Sie besetzen die städtebauliche Lücke und schaffen so eine Verbindung zwischen der angrenzenden Wohnbebauung im Osten und im Westen und bilden zeitgleich den baulichen Rahmen für den vorgelagerten Quartiersplatz.

Eine wichtige Rolle für eine behutsame Einbindung in die Umgebung sind neben den eigentlichen Baukörpern die Freibereiche zwischen diesen drei Gebäuden. Diese Grünen Tore strukturieren die Bebauung und ermöglichen Wege- und Blickbeziehungen zwischen Siedlungs- und Landschaftsraum. Als sichtbare Betonung dieser Bindegliedfunktion werden in diesen Durchgängen die zusammentreffenden Giebelwände leicht geneigt und als vertikale Gärten ausgebildet.

Durch und durch grüne, freundliche und lebendige Fassaden unterstreichen den verbindenden Charakter des Ensembles zwischen Stadt und Land ebenso wie die begrünten Dachflächen und die hochwertig angelegten Gartenbereiche.

Die drei Wohnhäuser sind als zueinander gedrehte Gebäudewinkel arrangiert, von denen die Häuser 1 und 2 im Norden und Osten als dreigeschossige Baukörper samt Staffelgeschoss geplant sind. Das südwestliche Haus 3 bildet dagegen mit vier Geschossen und zusätzlichem Staffelgeschoss einen baulichen Hochpunkt aus, der sich insbesondere dem Blick der Nord-Süd-Achse „Weidengrasweg“ nach Norden folgend, präsentiert.

FREIRAUMPLANUNG

Die vielgestaltigen und komplexen Freianlagen dieses dreiteiligen Gebäudeensembles erfüllen diverse Funktionen auf engem Raum und weisen zugleich ein hohes Maß an Begrünung auf, um so den Übergang des Wohnquartiers in die nördlich anschließende Feldlandschaft zu markieren. Im Folgenden sollen einige zentrale Gestaltungselemente beschrieben werden.

Die privaten Terrassenbereiche liegen jeweils an der Außenseite der Gebäudewinkel und sind fast vollständig zum grünen Stadtplatz im Nordwesten des Baufelds bzw. zur freien Landschaft orientiert. Neben den Terrassen befindet sich jeweils eine in die Fassadengestaltung integrierte Pflanzbox, welche sich auch in den oberen Etagen als zentrales Thema weiter fortsetzen. Zusätzlich erhält jede Terrasse eine kleine Rasenfläche, welche von unterschiedlich breiten Hecken umgeben ist und den privaten Raum so begrenzt. Die Heckenpflanzen markieren ein Grabensystem, welches das Wasser des gesamten Grundstücks zusammenführt und durch kurze Rohrstücke miteinander verbunden ist. Dies gilt auch für die Hecken, welche die Stellflächen begrenzen. Durch diese Funktionsdopplung (Abgrenzung und Regenwassermanagement), werden die begrünten Bereiche optimal genutzt. Die teils recht breiten Hecken schaffen ein hohes Retentions- bzw. Versickerungsvolumen.

An der Straße Plaggenmoor ist die Stellplatzanlage mit zwei Teilbereichen angeordnet. Sie verfügt über insgesamt 50 Stellplätze (davon zwei für den eMobility Hub) und ist über insgesamt drei Gehwegüberfahrten an den öffentlichen Straßenraum angebunden. Sowohl Teile der Fahrbahn als auch die Stellflächen selbst sollen mit Rasenfugenpflaster hergestellt werden. Somit wirken diese Funktionsflächen grün und versickern einen größeren Teil des Wassers direkt vor Ort. Zusätzlich sollen die übrigen Pflasterbeläge der Fahrgasse aus drainfähigem Betonstein aus Einkornbeton ausgeführt werden, um auch das übrige Wasser direkt an den Untergrund abzugeben. Wie in der Auslobung gewünscht, gruppieren sich jeweils maximal vier Stellplätze zusammen und werden durch Bäume seitlich begrenzt. Ebenso sind auf dem Parkplatz drei Fahrradhäuser (Veloports) integriert, welche sich jeweils nahe den Eingängen zu den drei Wohngebäuden befinden. Diese bieten Raum für eine große Zahl an Fahrrädern und sind durch eine Fassaden- und Dachbegrünung gut in die Umgebung integriert.

Sämtliche Carports sind über Treppen begehbar und vergrößern so den nutzbaren Raum in den Freianlagen mit Flächen für alle Anwohner der Gebäude. Zwei der Carports sind mit Kleinkinderspielflächen (Sandkasten, Wackeltier, Bank) ausgestattet und bieten durch ihr Geländer einen separaten, geschützten Raum für die jüngsten Bewohner. Drei weitere Carports (zwei davon als eine Einheit zusammen erschlossen) sollen den Anwohnern gemeinschaftlich zur Verfügung stehen. Hier sollen Tisch-Bank-Kombinationen und Hochbeete zum gemeinschaftlichen Gärtnern aufgestellt werden. Auch diese Bereiche wirken durch Ihre räumliche Anordnung als Separee und haben dadurch eine ganz eigene Qualität.

Eine ähnliche Funktion in einem deutlich größeren Maßstab erfüllt der östlich von Haus 2 gelegene, zentrale Community Hub. Er liegt als verlängerte Terrasse oberhalb des eMobility Hubs direkt am im 1. OG gelegenen und barrierefrei erreichbaren Gemeinschaftsraum und bietet im Freien genügend Platz für gemeinschaftliche Aktivitäten aller Bewohner. Er kann sowohl von innen als auch über eine Treppe im Außenbereich betreten werden und ist halb steinern und halb mit Rasen befestigt für diverse Aktivitäten nutzbar. Informelles und in Gruppen angeordnetes Mobiliar, welches teilweise bepflanzt ist, rahmt die Freifläche. Dieses Mobiliar befindet sich auch vor dem Welcome Point an der Südseite von Haus 3 und schafft so auch hier Aufenthaltsqualität.

Die Hauszugänge erschließen die Treppenhäuser der Wohngebäude direkt über die Straße oder indirekt über die Parkplätze. Als Puffer sind vor den Fassaden attraktive Pflanzungen angeordnet. Formal orientieren sie sich an der polygonalen Struktur der Gebäude und anderen grünen Elementen wie den Hecken. Sie sollen aus hochwertigen Betonplatten hergestellt werden und sich dadurch gestalterisch vom Parkplatz absetzen. Vor jedem Hauszugang gibt es ein großes Beet mit Sitzbänken und zwei Baumpflanzungen, um die Zugänge attraktiv und einladend zu gestalten.

Die Gestaltung richtet ihr Augenmerk nicht nur auf die direkten Bewohner der drei Häuser, sondern soll auch einen Mehrwert für das gesamte Quartier schaffen. So sind über die Zufahrten der Parkplätze hinweg, durch die grünen Fugen zwischen den Gebäuden, zwei Achsen (Nord-Süd zwischen Gebäude 2 und 3 und Ost-West zwischen Gebäude 1 und 2) vorgesehen, die die Straße Plaggenmoor mit dem grünen Stadtplatz verbinden. Der Weg wird mit weißen Schwellen analog zur bereits im Quartier vorhandenen Gestaltung markiert, welche sowohl im Pflaster des Parkplatzes als auch in der Wiese eingelassen sind. Der Weg führt als grünes Tor durch die geneigten und mit Kletterpflanzen versehenen Fassaden des Gebäudes, was die Wegebeziehung für jeden schon aus einiger Entfernung gut sichtbar macht und die landschaftliche und grüne Orientierung unterstreicht.

An diesen Achsen liegen zwei grundsätzlich unterschiedlich gestaltete Spielflächen. In der Ost-West-Achse sollen eher klassische Spielgeräte aus Holz mit Rutsche, Schaukel, Wippe und Kletterparcours ein eher jüngeres Publikum im Alter von ca. 3-12 Jahren ansprechen. Die Nord-Süd-Achse hingegen richtet sich mit Fitness- und Sportgeräten an ein älteres Publikum und erweitert so die Zielgruppe die Spielflächen um junge Erwachsene. Speziell diese Differenzierung soll einen wirklichen Gewinn für alle Anwohner erzeugen.

Neben den Hecken, Pufferpflanzungen und dem grünen Pflaster der Stellflächen, sollen speziell die mit Kletterpflanzen bewachsenen Fassaden der Gebäude 1, 2 und 3 sowie eine Vielzahl von heimischen Bäume in den Gartenbereichen für eine deutlich ablesbare, grüne Einbindung des Gebäudeensembles sorgen. Hinzu kommen die grünen Pflanzboxen an der Fassade als wiederkehrendes Signet. Den Bäumen und den grünen Toren kommen dabei auch eine Leitungsfunktion zu. Direkt an den Quartiersquerungen zwischen den Gebäuden weisen sie u.a. durch ihre Laubfarbe auf eine räumlich gesonderte Situation hin und schaffen so Orientierung.

GRUNDRISSORGANISATION

Ein variantenreicher Wohnungsmix aus Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen für eine vielfältige Mieterschaft zusammen mit einem großzügigen Angebot an Gemeinschaftsflächen sowie hochwertig geplanten Außenanlagen komplettieren den Anspruch an ein nachhaltiges und hochwertiges Wohnprojekt mit hoher Lebensqualität.

Offene Wohn- und Essbereiche mit großen Wohnküchen, großzügig bemessene Nebenflächen wie Sanitär- und Hauswirtschaftsräume, dazu gut nutzbare / möblierbare Zimmer und klare Raumfolgen resultieren in ideal nutzbaren Wohneinheiten. Nahezu alle Wohnungen erfüllen zudem die bauordnungsrechtlichen Anforderungen an barrierefreien Wohnraum erfüllen, weit über die baurechtlich geforderte Anzahl hinaus.

Hochwertige und nachhaltige Baumaterialien, moderne und geradlinige Einbauten und Objekte runden den Gesamteindruck ab. Zahlreiche bodentiefe Fenster sorgen in den Wohnbereichen für viel Licht und weite Ausblicke. Den ausgeprägten Grünbezug der Wohnungen unterstreichen auch die stets großzügig dimensionierten Außenbereiche (Terrassen und Balkone) samt angeschlossener Pflanzboxen.

Aufgrund des Verzichts auf ein Kellergeschoss werden den Treppenhäusern zur Kompensation im Regelfall in jeder Ebene große gemeinschaftliche Abstellräume für Gehhilfen, Kinderwagen etc. angegliedert. Großzügige Aufzugsanlagen, die u.a. auch den Transport von Krankentragen ermöglichen, erlauben den barrierefreien Zugang zu den Wohnungen und Gemeinschaftsbereichen.

Ansicht Süd

KONSTRUKTION

Die Bauwerke sind als nicht unterkellerte Häuser in herkömmlicher Massivbauweise geplant. Um eine möglichst freie und variable Grundrissgestaltung auch im Staffelgeschoss zu ermöglichen, sollen die obersten Geschosse in Holzrahmen-Bauweise erstellt werden. Von außen präsentieren sich die Gebäude einerseits langlebig und robust mit ortstypischen rot-bunt nuancierten Verblendsteinen aus lokalen Klinkerwerken.

Andererseits erhält die Fassade ein lebhaftes Ornament aus zueinander versetzt angeordneten Pflanzbehältern. Diese werden teils mit geschossübergreifenden und immergrünen, teils blühenden und/oder den Jahreszeiten folgenden Gewächsen bespielt. Die Pflanzbecken sind vornehmlich an die Balkone angegliedert, so dass die Pflanzen auch als Sichtschutz zwischen den Freisitzen der Wohnungen dienen.

Versetzt platzierte metallische Vorhangfassadenfelder sorgen für einen zeitgemäßen Kontrapunkt und umspielen die großzügigen, bodentiefen Fensterelemente.

Dieser geschossweiser Versatz erlaubt der Bepflanzung genügend Platz für Wachstum sowie eine ausreichende Versorgung mit Tageslicht und Regenwasser. Dieser grüne Fassadenschmuck umspielt neben den Gartenseiten auch die Eingangs- und Giebelbereiche und komplettiert zusammen mit der Dachbegrünung und den grünen Toren das ökologische Außenhautkonzept des Ensembles.

COMMUNITY HUB

Dem Gedanken der Deckelung von Fahrbahn und Stellplätzen folgend wurde im direkten baulichen Anschluss am zentralen Haus 2 oberhalb des eMobility Hubs eine große, flexibel bespielbare Freifläche geschaffen, die für Grillfeste, Freilichtvorführungen oder als Quartierstreffpunkt neben den Mieter:innen auch der Nachbarschaft dienen soll. Der Verzicht auf eine Wohnung neben dieser Terrasse schafft zudem Raum für einen gemeinschaftlich nutzbaren Innenbereich.

Ein weiterer, der Mietergemeinschaft sowie der direkten Nachbarschaft gewidmeter Bereich ist der Welcome Point im südlichen Sockel des Hauses 3 geplant. Dieser multifunktional bespielbare Raum (samt Nasszelle + Pantry), dem zusätzlich ein großer Außenbereich zugeordnet ist, bietet ebenfalls Platz für Geburtstagsfeiern, Homeoffice-Arbeitsplätze, Mieterversammlungen, Seniorentreffs, Repair-Café oder anderweitige Freizeitprojekte.

Angesichts der räumlichen Nähe zum Quartiersplatz wäre an dieser Stelle auch eine kleine Gastro- bzw. Gewerbeeinheit (z.B. Bäcker, Kiosk) zur Deckung des täglichen Bedarfs für die Bewohner des Gebiets vorstellbar. Dies wäre gemäß BauNVO § 3 (3)  in einem reinen Wohngebiet ausnahmsweise zulässig und würde der Aufenthaltsqualität des Platzes zu Gute kommen.

Welcome Point und Community Hub sorgen auf diese Weise für eine bessere Vernetzung von Neubauprojekt und Nachbarschaft.

Perspektive Community Hub